Wie der Tempelacker zu seinem Namen kam
Vor dem 1. Weltkrieg besassen manche begüterte St.Galler Familien ausserhalb der Stadtmauern ein Haus mit einem Stück Land. Während der Sommermonate genossen sie dort die «Sommerfrische» und verbrachten gesellige Abende mit Gästen. Man suchte dort aber auch Schutz, wenn in der Stadt eine Krankheit um sich griff. Oder man fuhr im Winter mit Pferd und Schlitten hinaus. Einen solchen «Acker» besass die Familie Glinz, die am Marktplatz neben dem heutigen Waaghaus das Gasthaus «Zum Tempel» führte. So hiess ihr Acker nach damaliger Sitte ganz einfach «Tempel-Acker» und das Grundstück behielt diesen Namen.
Bäckerei und Teigwarenfabrik.
Um die Mitte des letzten Jahrhunderts verkaufte die Familie Glinz ihr Grundstück. Aber noch war es nicht Zeit für unsere Institution. Zuerst buk im «Tempel-Acker» ein Appenzeller während Jahren Brot. Auch Teigwaren stellte er her. Und noch zwei weitere Male wechselte die Liegenschaft die Hand, bevor wir dran waren.
Kinderbewahranstalt.
1874 eröffnete die Hülfsgesellschaft der Stadt St.Gallen ein paar Schritte vom «Tempel-Acker» entfernt eine «Kleinkinderbewahranstalt». Sie bestand anfangs aus zwei Kindern, der Anstaltsmutter und einer Gehülfin. Wenige Wochen später waren es bereits sechs Kinder. Das Kostgeld betrug vier bis fünf Franken pro Woche. Obwohl noch nicht am heutigen Ort, war das der Anfang. Im Jahr 1874!
Umzug.
1890 konnte die Hülfsgesellschaft den «Tempel-Acker» erwerben. Damit ging ein grosser Wunsch in Erfüllung. Das Haus bot damals Platz für fünfundzwanzig Kinder. Und Platz für neue Betreuungsformen. Man staune: Schon damals war das «Familiensystem» üblich. Kinderschwestern betreuten kleine Gruppen, und jede solche «Familie» bewohnte einen eigenen Tagesraum mit Schlafzimmer.
Das war dann auch der eigentliche Start einer langen, sinnvollen und erfolgreichen Arbeit.
Eine Institution der Gemeinnützigen- und Hilfsgesellschaft (GHG) der Stadt St. Gallen